Wissenschaft

S3-leitlinienbasierte Beratung von Krebspatienten in der Apotheke

Die Beratung von Krebspatienten in der Apotheke gestaltet sich äußerst schwierig, weil sie von bestimmten Faktoren wie der Krebsart, der Symptomatik und der jeweils laufenden Therapie abhängig ist. Außerdem sind auf jeden Fall Arzneimittelinteraktionen zu beachten, denn der/die Betroffene befindet sich ja schon in Therapie, sprich bekommt vielleicht eine begleitende Chemotherapie oder Bestrahlungen.
Evidenzbasierte Empfehlungen für beratendes Apothekenpersonal gibt die erste S3-Leitlinie zur Komplementärmedizin für Krebspatienten, die nach vier Schwerpunkten aufgeteilt ist. Schwerpunkt 1 bis 3 „Medizinische Systeme“, „Mind-Body-Verfahren“ und „Manipulative Körpertherapien“ treten in der Apotheke bei der Beratung der Krebspatienten in den Hintergrund. Sie finden zum Teil bei psychischen Beschwerden wie Depressionen und Stimmungsschwankungen Anwendung.
Biologische Therapien, zu deren Einsatz Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine, Enzyme sowie sekundäre Pflanzenstoffe und Phytotherapeutika gehören, sind als alternative Heilmethoden in der Offizin anerkannt, können je nach Tumorkrankheit aber nicht immer zum Einsatz kommen.
Die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), die die Leitlinien veröffentlicht hat, weiß auch, dass Studienlagen oft vage sind und dass oft keine ausreichenden Daten zur Wirksamkeit vorliegen. Das trifft auf Phytotherapeutika wie Aloe vera, Baldrian, Boswellia, Cimicifuga, Gingko und Ginseng sowie Curcumin zu.
Ingwer beispielsweise kann bei Übelkeit und Erbrechen infolge Zytostatika-Gabe empfohlen werden. Isoflavone, die dem menschlichen Hormon Östrogen ähneln und in den Wechseljahren zur Anwendung kommen können, sollen bei Brustkrebs-Patientinnen nicht eingesetzt werden. Hingegen erwogen werden kann der Einsatz von Cimicifuga racemosa (Trauben-Silberkerze) bei Hitzewallungen. Alle anderen aufgezählten Pflanzenextrakte sind unter Umständen bei anderen Tumorerkrankungen relevant.
Zur Behandlung von Ein- und Durchschlafstörungen kann sich Baldrian anbieten. Bei Depressionen und Angstzuständen infolge Krebsdiagnose und den damit verbundenen Unsicherheiten helfen Arzneimittel mit Johanniskraut, die auch Teil der Empfehlung der Nationalen Versorgungsleitlinie (NVL) sind. Johanniskraut mit dem Wirkstoff Hypericin ist stimmungsaufhellend und wirkt gut bei leichten bis mittelschweren Depressionen, je nach Wirkstoffgehalt der Präparate. Allerdings sollte auch im Zweifelsfall immer Rücksprache mit einem Onkologen stattfinden, denn das Medikament kann mögliche schwere Wechsel- und Nebenwirkungen haben, obwohl es rein pflanzlich ist.

Previous post

Corona-Pandemie: Fehlkalkulation bei Bestellung von Beatmungsgeräten?

Next post

CED: Möglicher zukünftiger Therapieansatz?

homecare nachrichten

homecare nachrichten

Herzlich willkommen bei "homecare nachrichten". Dieses kostenlose und freie Portal steht für Informationen rund um das Thema Homecare. In den drei Rubriken "Produkte", "Kostenträger" und "Wissenschaft" stellen wir Ihnen jeweils die aktuellsten Neuigkeiten vor. Um diesen Informationsservice dauerhaft zu genießen, empfehlen wir Ihnen unseren kostenlosen und jederzeit kündbaren Newsletter. So werden Sie monatlich auf den neuesten Stand im Bereich Homecare gebracht.