Wissenschaft

Tumorkachexie-Patienten in der Onkologie unbedingt ernährungsmedizinisch betreuen

Viele Krebserkrankungen führen bei Betroffenen zu einem Gewichtsverlust, der oft schon vor der Diagnose sichtbar wird und dann als Präkachexie bezeichnet wird.
Bei Krebserkrankten führt der erhöhte Energiebedarf durch die Stoffwechselaktivität des Tumors, aber auch die Gabe der Chemotherapie zu einem erhöhten Energiebedarf, den es rechtzeitig und früh sowie individuell zu beachten gilt. Die Mangelernährung des Patienten unter der Therapie ist ausschlaggebend dafür, dass der Körper sowohl Fett- als auch Muskelmasse abbaut. Die reduzierte Energiezufuhr und die meist sehr anstrengende Behandlung unter der Krebserkrankung führt auch zu Fatigue-Symptomen mit Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Antriebsschwäche. Der Patient hat kein Hungergefühl und die Zufuhr der dringend benötigten Zytostatika führt auch zu gastrointestinalen Folgen, oft kombiniert mit einer ausgeprägten oralen Mukositis, einer Entzündung der Mundhöhle. Jetzt spätestens befindet sich der Patient in einem Teufelskreis, weil er immer weniger isst und dadurch  dringend benötigte Kalorien spart. Der Patient weigert sich nicht zu essen, sein Krankheitsbild führt zwangsläufig dazu.
Drei Faktoren kennzeichnen dabei eine Krebserkrankung dieses Ausmaßes, das entscheidend von der Tumorart, aber auch vom Allgemeinzustand abhängt. Die meisten Patienten leiden dann unter einer „Anorexie nervosa“, die durch Appetitverlust gekennzeichnet ist und deren Begriff man als Anorexie aus dem Bereich der Magersucht kennt.
Es tritt oft zudem eine Sarkopenie auf. Das ist ein ungewollter Muskelabbau mit Funktionseinbußen. Die Tumorkachexie als dritte Begrifflichkeit ist gekennzeichnet durch einen ungewollten Gewichtsverlust, der mehr als fünf Prozent des ursprünglichen Körpergewichtes in sechs Monaten ausmacht. Eine Tumorkachexie verschlechtert die Gesamtprognose der Erkrankten erheblich.
Deshalb raten Experten, möglichst früh und individuell mit der Ernährungsberatung anzufangen. Notfalls ist eine enterale oder parenterale Ernährungsform möglichst schnell angezeigt, damit Betroffene nicht noch mehr Gewicht und Muskelmasse verlieren. Manchmal hilft aber nicht nur eine individuell zusammengestellte Trinknahrungskur, sondern die sogenannte Totale Parenterale Ernährung (TPN), die auch Medizinern nicht immer bekannt ist. Ist eine normale orale oder enterale Ernährung nicht mehr ausreichend kommt TPN zum Einsatz, um der Mangel- und Fehlernährung in der klinischen Ernährung vorzubeugen. Enterale und /oder parenterale Ernährungsformen sollten niemals nicht und vor allem nicht zu spät begonnen werden, so das Fazit der Fachgesellschaften.
Übergewichtige sind hierbei allerdings nicht im Vorteil, auch wenn dies auf den ersten Blick so scheint. Sie haben nur mehr Fettmasse, das als stoffwechselträges Gewebe nicht zur Aufrechterhaltung der Muskelmasse beiträgt. Ganz im Gegenteil, denn sie benötigen höhere Dosen an Chemotherapeutika, die auch zu mehr Nebenwirkungen führen.

Das Fazit der Ernährungsexperten ist demnach, dass es mit der Diagnosestellung der Krebserkrankung eine Überprüfung des Ernährungszustandes geben sollte. Von einer eigenständigen Supplementierung mit Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) sollte abgesehen werden. Eine Beratung in der Apotheke sollte auch nur dann stattfinden, wenn der Arzt ein Blutbild erstellt hat und ganz konkrete Empfehlungen ausspricht. Niemals sollten ohne Anweisung des Arztes /Onkologen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente zusätzlich  empfohlen werden.
Fachleute dieses Gebietes raten Betroffenen zudem zu einer abwechslungsreichen Kost. Radikalumstellungen bei normaler oraler Ernährung sollten vermieden werden, weil sie den Körper der ohnehin schon Geschwächten noch weiter beeinträchtigen. Daher wird vor dem vollständigen Verzicht von Weißmehl, Fleisch und Zucker gewarnt.

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