Wissenschaft

Morbus Crohn: Die Fakten

Was ist Morbus Crohn?
Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die aber den gesamten Verdauungstrakt vom Mund bis zum After betreffen kann. Es ist eine dauerhafte Autoimmunerkrankung, die in Schüben verläuft, aber trotzdem nicht lebenszeitverkürzend ist, wenn der Betroffene alle Vorsorgeuntersuchungen in Bezug auf Darmkrebs wahrnimmt.
Die Schleimhaut des kompletten Verdauungstraktes kann sich aber entzünden, häufig jedoch der unterste Dünndarmabschnitt und der Dickdarm. Das ist in 45 Prozent der Fälle so.
Die Krankheit ist nicht ansteckend, aber zurzeit auch noch nicht heilbar, weil die Ursachen immer noch weitgehend unbekannt sind. Morbus Crohn kann einen milden oder aber auch schweren Verlauf nehmen. Entzündungsherde treten auch nur vereinzelt auf, ganz im Gegenteil zur Colitis ulcerosa. Bei dieser chronisch-entzündlichen Darmerkrankung ist die oberste Schleimhautschicht des Dickdarms betroffen, die zur Geschwürbildung neigt.
Morbus Crohn-Patienten sind meist junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren. 120 bis 200 von 100.000 jungen Erwachsenen erkranken.

Symptome:
Betroffene neigen zu krampfartigen Bauschmerzen, meist unten rechts, deshalb wird die Krankheit im Anfangsstadium oft mit einer Blinddarmentzündung verwechselt.
Durchfall, Verstopfung, Appetitmangel, Fieber sowie ein Krankheitsgefühl und Gewichtsabnahme sind weitere Symptome.

Langfristige Folgen von Morbus Crohn:
Nährstoffmangel und damit einhergehende Hautbildveränderungen können auftreten sowie Erschöpfung und Müdigkeit, aber auch Abszesse, Fisteln und Risse am After. Darmverschlüsse sind nicht selten sowie Narbenbildung und Risse im Darm, aber auch schlimmstenfalls Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom).
Bei einem Drittel ist nur der Dünndarm betroffen. Der Mund kann in sechs bis zehn Prozent der Fälle auch entzündet sein. Entzündungsreaktionen können in gesamten Körper auftreten, sind aber an der Leber, den Gelenken und Augen am häufigsten.
Durch den Nährstoffmangel treten auch irgendwann Osteoporosen (Calciummangel) und Aphten im Mund (Zinkmangel) auf. Eine Laktoseintoleranz ist bei vielen Betroffenen zudem im Laufe der Zeit dazugekommen.

Ursachen:
Wahrscheinlich ist die Krankheit Morbus Crohn nicht genetisch bedingt, obwohl sie sich in jungen Jahren manifestiert. Gene könnten aber trotzdem eine Rolle spielen, denn Mutationen an einem bestimmten Gen konnten schon festgestellt werden. Die Barrierefunktion der Darmschleimhaut ist auf jeden Fall gestört, dadurch können Krankheiterreger die Darmwand passieren, das Immunsystem in Gang setzen und so Entzündungsprozesse auslösen. Auch der Lebensstil jedes einzelnen Betroffenen ist mit ausschlaggebend. Stress und vor allem Rauchen sind Gifte für die Entstehung von Morbus Crohn und für einen komplizierten Krankheitsverlauf, weil dadurch häufiger und früher schwere Schübe ausgelöst werden können.

Diagnose:
Der behandelnde Arzt erstellt bei Verdacht auf Morbus Crohn erst einmal eine Anamnese und nimmt eine Blutprobe, wenn der Bauch abgetastet wurde und Schmerzen dabei auftraten. Entzündungsreaktionen lösen nämlich Beschwerden dieser Art aus.
Außerdem muss eine Stuhlprobe zum Ausschluss anderer Infektionen analysiert werden. Spiegelungen, Ultraschalluntersuchungen, MRT und CT können folgen.
Der Mediziner ermittelt dann einen sogenannten „Aktivitätsindex nach Best“, der darüber Auskunft gibt, wann eine Therapie erfolgen sollte. Liegt der Wert zwischen 150 und 200 ist dies der Fall.
Morbus Crohn gehört auf jeden Fall immer in die Hände erfahrener Gastroenterologen, Spezialisten auf dem Gebiet Magen-Darm-Erkrankungen.

Therapie:
Es gibt viele Möglichkeiten Morbus Crohn erfolgreich zu behandeln und die Symptome zu lindern, obwohl die Krankheit nicht heilbar ist. Die individuelle Behandlung richtet sich dabei auch nach der Schwere der Erkrankung, die unterschiedlich sein kann und schubweise kommt.
Kortison, krampflösende Arzneimittel wie Buscopan mit dem Wirkstoff Butylscopolamin und Mittel gegen Durchfall (Beispiel Loperamid) stehen zur Verfügung. Aminosalizylat bei mildem Verlauf sowie Antikörper-Therapien und Immunsuppressiva sind auch Mittel der Wahl, wenn nichts anderes hilft. Antibiotika kommen bei bakteriellen Entzündungen auch des Öfteren zum Einsatz.
Wenn Medikamente nicht mehr helfen, werden chirurgische Eingriffe bei Abszessen und Fisteln in Erwägung gezogen.

Ernährung und Lebensstil:
Patienten mit Morbus Crohn sind immer auf eine schonende Ernährung bedacht und angewiesen, die wenig Säure, Schärfe und Fette enthält. Zudem sollte bei Schüben auf stark blähende Kost und vor allem Ballaststoffe verzichtet werden. Kleine Portionen öfters über den Tag verteilt gegessen, sind auch besser verträglich. Für den Betroffenen gilt es zudem auf eine ausreichende Nährstoffzufuhr zu achten, damit nicht noch mehr Probleme entstehen.
Rauchen und viel Stress sind tabu (siehe oben), deshalb empfehlen Experten Stressbewältigungsstrategien wie Autogenes Training und Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen sowie die Suche nach geeigneten Selbsthilfegruppen.
Für Morbus Crohn-Erkrankte gibt es auch besondere Hilfen vom Staat wie regelmäßige Reha-Maßnahmen, ein erweiterter Kündigungsschutz, Nachteilsausgleiche, etc.
Die Lebenserwartung der Patienten ist dieselbe wie die von Gesunden. Präventionsmaßnahmen sind jedoch äußerst sorgfältig einzuplanen, um nicht vorzeitig an Darmkrebs zu versterben, denn das Risiko daran zu erkranken ist erhöht.

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