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PZ-Interview: Patienten nach einer Magenkarzinom-OP richtig beraten

Wenn Betroffene mit einem Magenkarzinom operiert werden, wird ihnen meist der Magen komplett entfernt. Danach fangen allerdings die Probleme bei der Verwertung der aufgenommenen Nahrung an, denn Patienten müssen ihre Nahrungsgewohnheiten umstellen. Die Speiseröhre wird nämlich dann direkt mit dem Zwölffingerdarm verbunden.
Das Personal von Apotheken kann in Sachen Ernährung auch beraten. Wie genau, das erklärt der Privatdozent Dr. Thomas Widmann als Chefarzt und Experte der Asklepios Rehabilitationsklinik Triberg im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung (PZ). Wichtig für Beratende ist sowie für Betroffene ist, dass bestimmte Auswirkungen der Operation Grundlagen für das Verständnis sind.
Vor allem in der ersten Zeit ist die Umstellung der Nahrungsaufnahme ein großes Problem, erklärt Widmann. Auf keinen Fall sollte der Patient weiter abnehmen. Eine enterale und parenterale Nahrungszufuhr gilt es auf jeden Fall erst einmal zu vermeiden. Die Nahrungsaufnahme lässt sich auch ohne Hilfsmittel bis zu fast normalen Portionen wieder steigern, wenn anfänglich nur Volumina von 300 bis 500 ml pro Mahlzeit möglich waren. Wird der Kalorienbedarf nicht gedeckt, empfiehlt der Fachmann mindestens drei zusätzliche Zwischenmahlzeiten zu essen und vor allem langsam zu kauen, da der Verdauungsschritt im Magen und dessen Volumen fehlen.
Viele Patienten leiden aber auch unter dem sogenannten Dumping-Syndrom und/oder unter Fettstühlen.
Entfällt die Vorverdauung der Nahrung im Magen, wird die Darmwand massiv gedehnt, was Schmerzen und Durchfall auslösen kann. Die aufgenommene Flüssigkeitsmenge durch Trinken kann zudem einen Blutdruckabfall und Schwindel bis hin zum Kollaps auslösen. Die Symptome werden als Frühdumping bezeichnet. Hier helfen langsames essen und wenig trinken. Die Nahrung sollte ballaststoffreich, aber zuckerarm sein.
Das sogenannte Spätdumping, das nicht sofort, sondern nach ein paar Stunden auftritt, sorgt für einen starken Blutzuckeranstieg mit vermehrter Insulinausschüttung und kann zu einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) mit Zittern, Herzklopfen, Schwindel, et cetera führen.
Kommt es aufgrund des Spätdumpings zu starker Gewichtsabnahme wird dann doch eine enterale Ernährungsform mit einer Sonde direkt in den Zwölffingerdarm empfohlen oder aber die parenterale Alternative, direkt über die Vene mit hochkalorischer Infusionslösung. Dies ist aber meist nur als zeitliche Überbrückung notwendig.
Auch ist die Fettverdauung der Betroffenen problembehaftet und ruft Blähungen sowie Durchfälle hervor. Die Fettsäuren passieren zu schnell den Darm und können durch Enzyme der Galle und der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) nicht richtig aufgespalten werden.
Widmann empfiehlt hier Gaben von Pankreatin in Form von Kapseln, Dragees und Tabletten. Dosen ab 25.000 Lipase-Einheiten, die im Pankreatin als Enzym enthalten sind, können die Verdauung allerdings nicht komplett wiederherstellen. Fettstühle können wohl aber vermieden werden.
Geschultes Apotheken-Personal kann Betroffene auf jeden Fall dahingehend beraten, dass sie hochkalorische Kost mit fettangereicherten Nahrungsbestandteilen empfehlen. Sie sollten Patienten auch den Rat geben, ihren Vitamin-Status des Öfteren zu überprüfen, weil unter Umständen eine Vitamin B12-Ergänzung angezeigt ist, denn den Betroffenen fehlt der Intrinsic Factor des Magens, der die Aufnahme von Vitamin B12 im Darm begünstigt. Auch helfen den Patienten appetitanregende Kräuter wie Wermut, Schafgarbe oder Mischungen anderer Teekomponenten, die gut schmecken und helfen, sowie Pepsinwein.

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