Wissenschaft

Senioren würden telemedizinische Anwendungen häufiger nutzen, wenn da nicht Ängste wären

Eine telefonische Studie des Digitalverbandes Bitkom zur Nutzung von telemedizinischen Gesundheitsangeboten von Menschen, die 65 Jahre und älter sind, hat ergeben, dass diese Personen in der Regel schon Interesse an digitalen Angeboten dieses Bereiches haben, aber mangelnde Kenntnisse und Ängste dazu führen, dass Videotelefonie mit Ärzten, Online-Terminvereinbarungen, und einiges mehr, eher seltener oder zurückhaltender genutzt werden. Für die repräsentative Studie wurden 1.000 Über-65-Jährige telefonisch von Januar bis Juni 2020 befragt, sodass auch Angaben vor und während der Covid-19-Pandemie miteinander verglichen werden können. Demnach stoßen viele telemedizinische Dienste zwar auf großen Zuspruch wie beispielweise die telemedizinische Überwachung des eigenen Gesundheitszustandes, die sich 50 Prozent der befragten Senioren vorstellen könnten, doch machen Berührungsängste den Menschen einen Strich durch die Rechnung. Die Befragung ergab aber, dass im Januar nur drei Prozent der ausgewählten Senioren von dem Angebot Gebrauch gemacht hatten, während es im Juni dann schon sechs Prozent waren. Hier war also ein direkter Vergleich möglich. Menschen mit über 65 Jahren können sich auch vorstellen in Zukunft die E-Patientenakte zu nutzen. Bei 53 Prozent stößt danach dieses digitale Angebot nach Etablierung auf Zustimmung, 40 Prozent stimmten der E-Rezeptnutzung zu. Auch Chat- und Messenger-Dienste bei der Kommunikation mit Ärzten sind beliebt, denn 46 Prozent würden diese Funktion auch nutzen. Allerdings ergab die Umfrage, dass die Nutzung von 16 Prozent im Januar auf nur 19 Prozent im Juni, trotz Corona-Lockdown, gestiegen ist. Bewertungsportale von Ärzten und andere Online-Vergleichsportale liegen mit 54-prozentigem Interesse auch hoch im Kurs bei den Älteren; 25 Prozent, also nicht ganz die Hälfte, nutzten diese Funktion bereits im Juni für Recherchen. Ähnlich schneiden digitale Erinnerungstools für Arzttermine bei den Senioren ab; hier lag die Nutzung allerdings schon bei 38 Prozent Mitte des Jahres. Auch haben Männer und Frauen in etwa dieselben Interessen sowie auch Befürchtungen, nicht mit der Technik klarzukommen. Deshalb empfehlen Experten, wie Bitkom Präsident Achim Berg, den Menschen sogenannte digitale Begleiter für Fragen und Hilfen rund um das Internet. Sinnvoll wären seiner Meinung auch sogenannte Erfahrungs- und Erprobungsräume, wo ältere Menschen, die nicht mit dem Internet aufgewachsen sind, von „Streetworkern“ der Digitalwelt Hilfestellung bekommen können. Die Politik ist aufgefordert, dringend an solchen Einrichtungen zu arbeiten, das haben auch die Auswirkungen (in) der Corona-Pandemie gezeigt.

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