Wissenschaft

Warum Diabetiker einen schweren Verlauf der Infektion mit dem Coronavirus zeigen? Mehrere Erklärungsansätze auf einen Blick

Diabetiker gehören in eine der Risikogruppen bei einer Covid-19-Erkrankung. Chinesische Wissenschaftler haben in einer aktuellen Fallserie mit Nicht-Diabetikern und Diabetikern versucht herauszufinden, welche Gründe es dafür geben könnte. Aber auch italienische Wissenschaftler aus Rom haben bereits zu diesem Zusammenhang geforscht. Die Chinesen haben dazu 237 Nicht-Diabetiker und 37 Diabetiker untersucht. Allgemeingültige Aussagen lassen sich nicht treffen, da auch Komorbiditäten, das Alter der Patienten und die geringe Auswahl an Patienten in den kleinen Untergruppen berücksichtigt werden mussten. Allerdings kann man feststellen, dass sich gewisse Trends abzeichnen. So ist bei Patienten mit Diabetes Fieber nicht so häufig wie bei Patienten ohne Zuckerkrankheit. Das Verhältnis liegt hier bei 59,5 Prozent zu 83,2 Prozent. Auch Symtome wie Schüttelfrost, Husten, Atemnot und Engegefühl in der Brust treten bei Zuckerkranken wesentlich weniger häufig auf, sodass auch die italienischen Forscher aus Rom, Dr. Ernesto Maddaloni und Raffaella Buzzetti, vermuten, dass ein Zusammenhang besteht. Das Forscherteam um Weina Guo aus Wuhan von der Huazhong University of Science und Technology vermutet deshalb wie die italienischen Experten, dass Covid-19 eine unterschätzte Gefahr bei Diabetikern ist, weil sich in der Regel eher verborgene und sogenannte stille Krankheitssymtome zeigten. Schnelles Handeln wäre allerdings bei Diabetikern oberste Priorität. Auch zeigte sich in den Studien eine schlechtere Einstellung des Blutzuckerspiegels, wenn Patienten mit einer Corona-Infektion ins Krankenhaus eingeliefert würden, was sich nachteilig auf den Krankheitsverlauf auswirkt. Die dritte Beobachtung der chinesischen Forscher ist, dass SARS-CoV-2 vor allem bei Diabetikern des Typs 2 Inselzellen der Bauchspeicheldrüse zerstören könnte. Eine alte Studienlage aus vergangenen Zeiten zum SARS-Virus zeigte, dass 20 von 39 Patienten in Krankenhäusern eine Zuckerkrankheit des Typs 2 entwickelten, die zum Teil auch später erhalten blieb, denn bei dieser Art des Diabetes können im Gegensatz zum Typ 1 die Betazellen im Pankreas noch Insulin produzieren, die aber dann ihre Tätigkeit einstellten. Mit Hilfe von wissenschaftlichen Belegen zeigte sich jedoch, dass das Virus die Insulin bildenden Betazellen schädigen kann. Auch Wissenschaftler aus New York machten ähnliche Beobachtungen bei Akutpatienten in der Klinik. Man machte zudem die Beobachtung, dass die Entzündungsmarker bei Diabetikern erhöht waren, darunter auch das Interleukin-6, ein proentzündliches Zytokin, das mit 13,73 pg/ml im Verhältnis zu Nicht-Zuckerkranken mit 4,13 pg/ml vorlag. Diese Tatsache bestärkt die italienischen Wissenschaftler zu der Annahme, Wirkstoffe aus der Gruppe der monoklonalen Antikörper wie Tocilizumab, Sarilumab und Siltuximab könnten als entzündungshemmende Wirkstoffe und Interleukin-6-Antikörper Diabetikern im Kampf gegen das Coronavirus helfen. Das Gleiche gilt auch für Januskinase-Inhibitoren, die auch entzündungshemmend und selektiv immunmodulierend wirken, und sonst beispielsweise bei entzündlichen Darmerkrankungen und Psoriasis-Arthritis eingenommen werden. Allerdings müssen weitere evidenzbasierte Studien mehr Klarheit gewährleisten.

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