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Versandapotheken boomen zwar, müssen aber Datenschutzrichtlinien beachten

Der Versandhandel in Deutschland im pharmazeutischen Sektor mit Medikamenten und Gesundheitsprodukten boomt. Nicht nur, dass Apotheken vor Ort frei verkäufliche Gesundheitsprodukte verkaufen, auch Drogeriemärkte und gut sortierte Vollsortimenter sind immer mehr in das seit Jahren existierende Geschäft eingestiegen. Löste man früher sein Rezept traditionell in der Apotheke ein, kann man dies auch als digital vernetzter Kunde online über das Internet tun, denn der Rx-Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Präparaten ist auch weiterhin online möglich, obwohl Bundesgesundheitsminister Spahn den Versandhandel mit verschreibungspflichtigen Medikamenten im Jahr 2018 verbieten wollte. Ein entsprechender Passus, der verfassungsrechtlich den Rx-Versand verbieten sollte, wurde aus dem Koalitionsvertrag mit der SPD gestrichen. Vor allem junge Menschen, die im Online-Geschäftetreiben sehr affin sind, nutzen die Gelegenheit zur Bestellung im Internet, denn ein Besuch einer Apotheke vor Ort halten sie gar nicht für notwendig, da alle Erklärungen, die sie benötigen, im Internet auf den Seiten der Online-Versender zu finden sind. Ältere Menschen hingegen hören lieber auf den Rat des fachkundigen Personals in stationären Apotheken, die gegebenfalls auf Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Arzneimitteln reagieren können. Diese Beratung entfällt bei den Versendern, und damit auch meist das Vertrauen der älteren Generation in die Technik, die aber auch von einigen digital vernetzten  Senioren als hilfreich empfunden wird. Während sich viele vor allem junge Kunden über das Angebot der Versandapotheken freuen, ruft das Thema aber vor allem in der Politik, in Teilen der Gesellschaft und bei den Apothekern vor Ort keine große Begeisterung hervor, wie gerade bereits erwähnt. Seit dem Jahr 2004 vertreiben mittlerweile auch rund 3.000 in Deutschland ansässige stationäre Apotheken Medikamente über ihren Online-Shop, 150 von ihnen – unter ihnen Sanicare – mit großem Erfolg und Umsätzen in Millionen-Höhen, sodass das Online-Geschäft ein wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden ist. Allerdings, so beklagen die Skeptiker, ist das Geschäft mit Medikamenten und Gesundheitsprodukten zu sensibel, um auf eine persönliche Beratung verzichten zu können. Anderen Versendergrößen wie Amazon Marketplace wird vorgeworfen, dass sie mit sensiblen Daten ihrer Kunden ohne besondere Einwilligung der Käufer umgehen. Versandapotheken in Nordrhein-Westfalen haben seit Dezember vergangenen Jahres das Problem, denn auch sie haben einen Brief vom Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit erhalten, der aus datenschutzrechtlichen Gründen den Austausch von Gesundheitsdaten ohne besondere Einwilligung des Kunden für unzulässig hält. NRW bezieht sich dabei allerdings auf ein nicht rechtskräftiges Urteil des Landgerichtes Dessau-Roßlau. Das Gericht hat im März 2019 entschieden, dass „der Vertrieb apothekenpflichtiger Medikamente über den Amazon Marketplace unzulässig sei, solange nicht sichergestellt werde, dass der Kunde beim Bestellvorgang seine ausdrückliche Einwilligung in die Verarbeitung von Gesundheitsdaten erteile“. Tiefgreifende Maßnahmen werden demnach erwogen, sobald Versandapotheken deutschlandweit, auch Amazon Marketplace, nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel bewerben und vertreiben, wenn Verstöße gegen Datenschutzrichtlinien im Umgang mit sensiblen Daten zu erkennen sind.

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