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Noventi und Zava kooperieren – Ist das wirklich gut für die Apotheken?

Die britische Online-Arztpraxis Zava ist kürzlich eine Kooperation mit dem Apotheken-Dienstleister Noventi eingegangen. Denn durch die Aufhebung des Fernbehandlungsverbotes sowie Fernverordnungsverbotes darf Zava seinen Service nun auch in Deutschland anbieten, wofür das Unternehmen 2019 einen niederländischen Fond von 28 Millionen Euro aufnahm. Die Zusammenarbeit mit Noventi soll dem Dienstleister jetzt Zugang zum deutschen Markt gewähren.  Dazu zählt einerseits ihr Netzwerk mit derzeit 5000 Apotheken sowie die kostenlose Nutzung der Noventi App „Call my Apo“, mit der Arzneimittel vorbestellt werden können.

Zavas Konzept sieht vor, dass Patienten zunächst online einen Fragebogen ausfüllen müssen, der u. a. Informationen zu Geschlechtskrankheiten und Verhütung abfragt. Es folgt eine ärztliche Beratung via Videochat und anschließend wird das Rezept per App direkt an das Handy des Patienten geschickt. Da die Apotheke zur Abholung beliebig gewählt werden kann, soll laut Dr. Hermann Sommer, Vorstandsvorsitzender der Noventi-Gruppe, so der Umsatz der stationären Apotheken gestärkt werden. Ferner werde so auch die digitale Strategie der Online-Beratung und Online-Rezept-Einlösung weiterentwickelt. Dieses Geschäftsmodell steht jedoch nach wie vor in der Kritik, da beispielsweise Daten des Fragebogens beliebig oft geändert werden können. Ebenso entstehe bei Zava der Eindruck einer Direktbestellung ohne ausführliche ärztliche Beratung, weshalb Zavas Kooperationsversuche schon mehrfach scheiterten. Thomas Koch, Projektleiter bei apotheken.de begründete seine Absage damit, dass Zavas Konzept zu sehr auf „Rezepte-Shopping“ ausgelegt sei, was nicht zur Idee der Gesundheitsversorgung in deutschen Apotheken passe.

Auch die Werbemaßnahmen von Noventi sind problematisch, da sie mit der Anbindung stationärer Apotheken an die Telemedizin werben, was in Deutschland Neuland sei.  Jedoch gibt es einige Pilotprojekte wie das GERDA-Modell in Baden-Württemberg, die einen solchen Übergang in die Telemedizin bereits testen. Patienten können sich in KV-eigenen Online-Arztpraxen wie DocDirekt beraten lassen und erhalten ein digitales Rezept, das sie in einigen ausgewählten Apotheken einlösen können. Andere Anbieter wie Teleclinic und DocMorris verfolgen ähnliche Projekte, die Telemedizin und Anschluss an vor-Ort-Apotheken verbinden sollen.

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