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Zytostatika: AOK hält an umstrittenen Ausschreibungen fest

In fünf Bundesländern hat der AOK Bundesverband Ausschreibungen für die Versorgung mit onkologischen Arzneimitteln vorgenommen. In Brandenburg, Hessen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen sollen zukünftig nur noch ausgewählte Apotheken Zytostatika zur Tumorbekämpfung bei AOK-Versicherten herstellen und liefern dürfen. Die geplanten Rabattverträge enthalten auch zahlreiche Vorgaben, die die jeweiligen Pharmazeuten erfüllen müssen. Onkologische Ausschreibungen sind nach wie vor umstritten.

Im Juli 2016 sollen die Verträge in Kraft treten. Das Risiko tragen dabei die Apotheker selbst, für etwaige Lieferengpässe muss beispielsweise ein Ersatzlieferant benannt werden. Geliefert werden muss spätestens 30 Minuten vor der Applikationszeit, in Notfällen muss die Herstellung der Lösung innerhalb von 45 Minuten erfolgen. Verwürfe dürfen nicht abgerechnet werden und die Kosten für das fertige Arzneimittel dürfen nicht höher sein als die der Hilfstaxe. Mögliche Differenzen werden ebenfalls von der Apotheke getragen.

Wegen der umstrittenen Ausschreibungen ging es bereits vor Gericht. Die AOK Hessen schloss 2013 Exklusivverträge mit bestimmten Apotheken ab und lehnte demnach die Zahlungen an eine Apotheke ohne Vertrag ab. Besagter Apotheker klagte und bekam Recht vom Sozialgericht Darmstadt. Die AOK zog mittels Sprungrevision direkt vors Bundessozialgericht (BSG) und dort wurde entschieden, dass das freie Apothekenwahlrecht der Patienten hier nicht zum Zuge käme, da der behandelnde Mediziner und nicht der Patient die Zytostatika bei der Apotheke bestellen würde. Insgesamt belaufen sich die Retaxierungen bei den betroffenen Pharmazeuten auf mehr als 15 Millionen Euro.

Der Verband Zytostatika herstellender Apotheker (VZA) forderte ein gesetzliches Vorgehen gegen die Ausschreibungen onkologischer Arzneimittel. „Wir brauchen dieses Verbot mit einer entsprechenden Änderung des Sozialgesetzbuches, damit künftig nicht vielen Nachfragern nur wenige Anbieteroligopole gegenüberstehen und die Gefahr neuer Fehlentwicklungen droht“, meinte VZA-Präsident Klaus Peterseim. Die AOK jedoch hält an ihrem Vorhaben fest. In Berlin gibt es seit 2010 Ausschreibungen und diese verlaufen mittlerweile weitestgehend reibungslos. Gescheitert ist allerdings 2012 die Barmer GEK in Nordrhein-Westfalen. Die Ärzte hätten das Vorgehen nicht akzeptiert, darum mussten die Verträge fallen gelassen werden.

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