Wissenschaft

Proteinblockung zur Behandlung von chronischen Schmerzen

Viele Menschen leiden unter chronischen Schmerzen. Lassen sich diese nicht erfolgreich bekämpfen, schränken sie die Lebensqualität der Betroffenen stark ein. Eine Gruppe von Wissenschaftlern um Dr. Sandrine Géranton und Dr. Maria Maiarù vom Institut für Zell- und Entwicklungsbiologie am University College London (UCL), England, hat nun eine erfolgversprechende Behandlungsmethode entdeckt. Die Hemmung des Proteins FKBP51, das eine wichtige Rolle bei der Stressregulation spielt, war in Versuchen mit Mäusen bereits wirkungsvoll. Veröffentlicht wurde die Studie im Journal „Science Translational Medicine“.

Bleiben Schmerzen für länger als zwölf Wochen bestehen, wird von einer chronischen Form gesprochen. Oftmals handelt es sich um Schmerzen im Rücken, aber auch im Kopf oder in Form von Migräne kommt es häufig zu einem chronischen Leiden. In Studien wurde bereits nachgewiesen, dass Stress eine wichtige Rolle bei der Entstehung chronischer Schmerzen spielt. Insbesondere Menschen mit einem Gen namens FKBP51 haben ein stärkeres Schmerzempfinden bei Verletzungen und scheinen anfälliger für länger anhaltende Einschränkungen. Depressionen oder posttraumatische Belastungsstörungen treten ebenfalls gehäuft auf.

Maiarù und ihr Team untersuchten genetisch veränderte Mäuse, denen das Protein FKBP51, eine Variation des Genes, fehlte. „FKBP51 zu unterdrücken hatte einen äußerst starken Effekt auf Mäuse mit chronischen Schmerzen“, so die Wissenschaftlerin. Die Tiere zeigten ein reduziertes Empfinden von Schmerzen in Folge von Nervenschädigungen oder Arthritis. Der Effekt trat jedoch nicht nur an den von Schmerzen betroffenen Stellen auf, die Nager waren insgesamt mobiler. „Wir haben keine negativen Nebenwirkungen entdeckt.“

Als nächsten Schritt blockierten die Forscher das Protein im Spinalkanal von nicht-veränderten Mäusen mit SAFit2, einem Gemisch, dass zur Regulation der Stimmung eingesetzt werden kann. Das Medikament blockiert FKBP51 eigentlich im Gehirn und reduziert Ängste. Der Effekt auf das allgemeine körperliche Schmerzempfinden war aber ebenfalls signifikant. „Das Gemisch wurde eigentlich hergestellt, um die psychische Gesundheit wieder herzustellen“, so Géranton. Aber eine Behandlung, die gleichzeitig chronische Schmerzen bekämpft und Stress reduziert, sei doch für jeden wünschenswert. „Das war eine experimentelle Forschung mit Mäusen, aber wenn auch Menschen erfolgreich behandelt werden könnten, wäre es eine absolute Win-Win-Situation.“

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