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Onlinebefragung: Pflegekräfte im Nachtdienst häufig überlastet

Pflegende im Nachtdienst sind häufig großem Stress ausgesetzt, das hat eine Onlinebefragung der Universität Witten/Herdecke (UW/H) ergeben. Demnach ist eine Fachkraft im Schnitt für 52 Patienten verantwortlich, 8,7 Prozent der Befragten sorgen nachts sogar für über 100 Pflegebedürftige. Die Folge: Anfallende Aufgaben können häufig gar nicht oder nur unvollständig ausgeführt werden.

„Wer für 52 Personen in der Nacht zuständig ist, muss damit rechnen, dass – so wie es in Altenheimen meist aussieht – hinter 26 Türen jederzeit jemand beim Weg zur Toilette stürzen kann“, meint Prof. Christel Bienstein, Leiterin der Studie und des Departments Pflegewissenschaft an der UW/H, zu den Ergebnissen. Zwölf Minuten blieben für einen Patienten durchschnittlich jede Nacht, um die anfallenden pflegerischen Tätigkeiten zu verrichten. „Das ist Stress pur!“ Von den 276 Befragten klagten demnach 30 Prozent über „zu wenig Zeit“, 25 Prozent über „zu wenig Personal“.

100 Prozent der Pflegekräfte gaben an, dass die häufigste anfallende Tätigkeit das Wechseln von Inkontinenzvorlagen sei. Danach folgten die Lagerung (73 Prozent) und die Pflegedokumentation (50 Prozent). Auch andere körpernahe Tätigkeiten wie das Anhängen von Infusionen gehörten zum Aufgabengebiet. Fielen in einer Nacht 100 solcher Arbeiten an und desinifzierte sich die Fachkraft wie vorgeschrieben vor und nach jeder Manipulation die Hände, so nähme allein dies zwei Stunden in Anspruch, erklärt Bienstein. Auch Patienten mit kognitiven Störungen bedürften einer besonderen Zuwendung. 60 Prozent der Befragten gaben an, sich „häufig“ oder „sehr oft“ um herumirrende Menschen mit Demenz kümmern zu müssen. Um diese Aufgaben zu minimieren, griffen die Fachkräfte in 25 Prozent der Fälle zu Bettgittern oder Schlafmitteln. Für die Zuwendung zu sterbenden Patienten fänden 65 Prozent der Befragten ebenfalls zu wenig Zeit.

Die Gründe, warum dennoch viele Pflegekräfte gerne den Nachtdienst absolvieren, sind vielfältig. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf spiele eine Rolle, auch die finanziellen Vorzüge. Außerdem fänden die Pflegeperson nachts oftmals einen besseren Zugang zum Patienten. 38 Prozent bevorzugten das selbstständige Arbeiten. 17 Prozent meinten, sie hätten im Nachtdienst vergleichsweise mehr Ruhe.

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