Wissenschaft

„NETose“ spielt wichtige Rolle bei COPD

Bei der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) kommt es immer wieder zu Entzündungen der Atemwege. Zur Immunabwehr werden insbesondere die neutrophilen Granulozyten, eine Form der weißen Blutkörperchen, vermehrt produziert. Um Krankheitserreger abzuwehren, bilden diese Abwehrzellen Fangnetze (sogennante NETs=neutrophil extracellular traps) aus. Wie Salzburger Wissenschaftler nun herausfanden, werden bei der COPD zu viele dieser Netze erstellt. Durch die so entstehende „NETose“ wird auch gesundes Lungengewebe angegriffen.

Die chronische Erkrankung geht mit einer Entzündung der Bronchien sowie einer Überblähung der Lunge (Lungenemphysem) einher. Die stattfindende Zerstörung der Lungenbläschen (Alveolen), die für den Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid zwischen Blut und Atemluft zuständig sind, ist nicht rückgängig zu machen. Wie Salzburger Zellbiologen in Zusammenarbeit mit Experten der Salzburger Universitätsklinik (SUK) herausfanden, spielt bei der Korrosion der Alveolen die eigentlich gesunde Abwehrleistung des Körpers eine wichtige Rolle.

Die Produktion der NETs findet bei COPD-Patienten in gesteigertem Maße statt. Zusätzlich verbleiben die NETs bei der chronischen Erkrankung im Körper. „Im Normalfall bilden sich die NETs nach einer Entzündungsreaktion zurück“, meinte der Zellbiologe Walter Stoiber. „Bei chronischen Entzündungen bleiben die aggressiven NETs aber bestehen, werden sogar vermehrt gebildet und schädigen das körpereigene Gewebe. Das ist die dunkle, manchmal sogar lebensbedrohliche Seite der NETs und die haben wir jetzt bei der COPD gefunden.“

Stoiber und seine Kollegen Astrid Obermayer sowie Wolf-Dietrich Krautgartner haben gemeinsam mit dem Team um Michael Studnicka, Pneumologe an der SUK, das vermehrte Vorkommen von NETs im Sputum von Patienten mit exazerbierter (schubweise verlaufender) und stabiler COPD sowie bei Rauchern ohne Erkrankung und Nichtrauchern untersucht. Bei den Patienten mit exazerbierter COPD waren 90 Prozent betroffen, bei der stabil verlaufenden Form waren es 45 Prozent. Nichtraucher hatten nur zu fünf Prozent vermehrt NETs im Auswurf, bei den Rauchern waren es 25 Prozent.

Die Wissenschaftler erhoffen sich durch die Erkenntnisse einen neuen Therapieansatz. „Bisher gibt es für die COPD keine Medikamente, um den chronischen Entzündungsprozess in den Griff zu bekommen. Cortison wirkt nur unspezifisch und hat bekanntlich viele Nebenwirkungen“, so Studnicka. „Mit den NETs ergibt sich möglicherweise ein neuer Therapieansatz, der endlich das Übel an der Wurzel packen könnte.“

 

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