Wissenschaft

Morbus Crohn: Krankheitsmechanismus weiter entschlüsselt

Ein Defizit in der körpereigenen Abwehr ist maßgeblich an der Entstehung der Darmerkrankung Morbus Crohn beteiligt. Wie Wissenschaftler der Universitätsklinik Tübingen (UKT) herausfanden, sind Zellen aus dem Knochenmark für die antibakterielle Wirkung im Darm verantwortlich. Bei der chronischen Autoimmunerkrankung werden zu wenige der Faktoren gebildet, die die Darmwand schützen: Die Darmbakterien können angreifen und es kommt zur Entzündung.

Europaweit leiden mittlerweile etwa eine Million Menschen an der unheilbaren Krankheit Morbus Crohn. Immer wieder entzünden sich Teile des gesamten Magen-Darm-Traktes, es kommt zu starker Diarrhoe, auch Fieberschübe und massive Schmerzen sind symptomatisch für die Autoimmunerkrankung. Die genaue Ursache für die intermittierenden Entzündungen war bisher unklar.

Die Tatsache, dass sich die Symptome der Darmerkrankung durch eine Knochenmarkstransplantation beheben lassen, nahmen die Forscher um Prof. Jan Wehkamp zum Anlass, die Mechanismen weiter zu entschlüsseln. Sie fanden heraus, dass mononukleäre Zellen aus dem Knochenmark die körpereigene antibakterielle Defensive über die Panethzellen in der Darmwand kontrollieren. Bei Morbus-Crohn-Patienten bilden die Monozyten zu wenige der Stammzelldifferenzierungsfaktoren aus, die für diese Kontrolle notwendig sind. Die Folge: Die Darmbakterien können relativ ungehindert die Darmwand angreifen und diese entzündet sich.

Die Arbeit der Wissenschaftler aus Tübingen, die in Kooperation mit dem Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart sowie dem Dr. Margarete Fischer Bosch Institut für klinische Pharmakologie der Uni Tübingen geforscht haben, wurde in der aktuellen „Proceedings“ der National Academy of Science USA (Lioba Courth et al.) veröffentlicht. Sie hoffen, durch das erarbeitete Verständnis der bisher unheilbaren Erkrankung einen neuen Therapieansatz finden zu können. Möglicherweise lässt dieser sich auch auf andere chronische Entzündungen übertragen.

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