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Inkontinenz: Student entwickelt Kunstsphinkter weiter

Der ständige Gedanke an die nächstgelegene Toilette ist für die sechs bis acht Mio. Menschen, die in Deutschland unter Inkontinenz leiden, alltäglicher Stress. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen, denn Harninkontinenz ist ein klassisches Tabuthema. Hilfsmittel wie Einlagen oder Katheter können Betroffenen zwar den Alltag erleichtern, behandeln allerdings nur die Symptome. Implantate wie künstliche Sphinkter (Schließmuskel) setzen an der Ursache von Inkontinenz an, sind in der Anwendung aber deutlich aufwändiger und mit Risiken verbunden. Ein Student hat nun allerdings einen Prototyp eines neuartigen Kunstsphinkters entworfen, der die Etablierung von Implantaten als erfolgreiche Behandlungsmethode ein gutes Stück vorantreiben könnte.

Nicht nur Symptome, sondern die Ursache behandeln  – Ein Student der Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL) hatte genau dieses Ziel im Blick, als er im Auftrag der Dritte Patentportfolio Beteiligungsgesellschaft ein Funktionsmuster für einen elektronischen Kunstsphinkter entwarf. Dieses Schließmuskelimplantat soll bei Harninkontinenz eingesetzt werden und die verloren gegangene Funktion des natürlichen Harnröhren-Schließmuskels ersetzen. Jan Schmidtmeyer, Student der Biomedizinischen Technologie, entwickelte einen Kunstsphinkter, der anders als bisherige Implantate nicht aufwendig manuell durch eine Handpumpe gesteuert werden muss. Stattdessen ist er über einen einfachen Handsender und ein Smartphone bedienbar.

Neben dem Prototyp entwickelte Schmidtmeyer zudem gemeinsam mit drei weiteren Kommilitonen ein komplettes Geschäftsmodell, um die Marktreife des Implantats voranzutreiben. Sie qualifizierten sich damit für das MedTech Busines Design Bootcamp, welches vom Medical Valley EMN, dem bundesweiten Spitzencluster der Medizintechnik, sowie der Unternehmer TUM, dem Zentrum für Innovation und Gründung der TU München, veranstaltet wurde.

Operative Maßnahmen zur Behandlung von (Belastungs-) Harninkontinenz kommen zum Einsatz, wenn medikamentöse Therapien und vor allem Beckenbodentraining keine Linderung der Beschwerden bringen. Das Risiko eines Implantats liegt in Schädigungen des Harnleiters und umliegenden Gewebes. Übt der künstliche Schließmuskel zu hohen Druck auf die Harnröhre aus, können Nekrosen entstehen. Aber auch Infektionen der Harnröhre und mechanische Probleme des Systems sind keine Seltenheit. Außerdem gelten die Implantate nicht als langlebig: Selbst unter optimalen Bedingungen müssen sie nach fünf bis zehn Jahren ausgetauscht werden.

Neben Schließmuskelimplantaten existieren weitere Möglichkeiten, Inkontinenz operativ zu behandeln. Dazu zählen Schlingenoperationen, transurethrale submuköse Injektionen und das sogenannte Proact-System, bei dem zwei flüssigkeitsgefüllte Silikonballons unterhalb des Blasenhalses platziert werden und Druck auf die Harnröhre ausüben.

 

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