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Altenpflege: Höhere Sensibilität für verschiedene Lebensformen notwendig

Pflegekräfte sollen künftig stärker für die Themen Trans-, Inter- und Homosexualität bei älteren Menschen sensibilisiert werden, das fordert aktuell das Sozialministerium Rheinland-Pfalz. Der Umgang mit verschiedenen Lebensformen fände bisher im Pflegealltag wenig Berücksichtigung und oftmals trauten sich die Pflegebedürftigen aufgrund negativer Erfahrungen nicht, über ihre Bedürfnisse zu sprechen. Das Konzept „Rheinland-Pfalz unterm Regenbogen“ beschäftigt sich intensiv mit der Gleichstellung dieser Menschen. Auch die bereits 2010 erschienene Broschüre „Homosexualität im Alter – Informationen für Beschäftigte in der Altenpflege“ des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration will für eine verbesserte Lebenssituation der Betroffenen sorgen.

Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle, Transgender und Intersexuelle (LSBTTI) sind längst in der heutigen Lebensrealität angekommen, so die landläufige Meinung. Vergessen wird dabei, welchen Diskriminierungen die Menschen, die eine andere als die allgemein geläufige Lebensform für sich gewählt haben, häufig ausgesetzt sind. Insbesondere ältere Menschen, die in Zeiten des Nationalsozialismus gelebt haben, leiden demnach unter tiefsitzenden Ängsten, die sie an einer Offenheit bezüglich der eigenen Sexualität hindern. Viele der Betroffenen führten Scheinehen und verleugneten sich und ihre Bedürfnisse ein Leben lang.

Teil einer guten Pflege sei es, den Menschen in seiner Gesamtheit anzuerkennen. Dazu gehört auch, ihm einen Raum für seine Erinnerungen und Erfahrungen zu geben. Insbesondere die Annahme der meisten Pflegekräfte, dass unsere Kultur heute offen sei und darum kein Redebedarf bestehe, müsste dringend überarbeitet werden. Auch das Angebot in Pflegeeinrichtungen sollte an die Bedürfnisse aller Bewohner angepasst werden.

Eine österreichische Studie hat sich mit den Wünschen der pflegebedürftigen LSBTTI auseinandergesetzt. Hierbei wurde herausgestellt, dass die Menschen sich keineswegs wünschen, eine Einrichtung zu besuchen, die ausschließlich für sie konzipiert wurde. „Es wäre mir nicht wichtig, ja fast unangenehm, nur mit Schwulen und Lesben zu leben, aber der Einzige will man doch wieder nicht sein. Dieses Gefühl hatte man wohl bereits oft genug“, heißt es in einem Kommentar. Die meisten möchten am liebsten in der vertrauten Umgebung versorgt werden. An zweiter Stelle stehe der Wunsch nach sensibilisiertem Pflegepersonal. Die Stadt Wien hat bereits ein Pilotseminar für Fachkräfte ins Leben gerufen: Pflege unter dem Regenbogen.

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