Wissenschaft

Studien zum Stuhltransfer mit unterschiedlichen Ergebnissen

Nachdem die Stuhltransplantation bei der Infektionskrankheit Clostridium difficile Heilungserfolge erzielen konnte, wurde nun der Transfer von Fäzes bei der chronisch entzündlichen Autoimmunerkrankung Colitis Ulcerosa getestet. Die Ergebnisse der beiden dazu durchgeführten Studien wurden im Journal „Gastroenterology“ veröffentlicht – übereinstimmen tun sie jedoch nicht.

Beim sogenannten fäkalen Mikrobiomtransfer (FMT) wird der Stuhl eines gesunden Spenders vom Mediziner in den Darm des Erkrankten übertragen. Dieser Transfer, der die Darmflora regenerieren soll, ist bei wiederkehrenden und komplizierten Infektionen mit dem Bakterium Clostridium difficile bereits erfolgreich angewandt worden und laut der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) hierfür die Methode der Wahl. Mediziner haben nun untersucht, ob sich auch andere Erkrankungen, die mit einer bakteriellen Besiedelung des Darms einhergehen, durch die Transplantation heilen lassen.

Ein kanadisches Forscherteam erhielt vielversprechende Ergebnisse. Zunächst stoppten die Wissenschaftler der McMaster-Universität in Hamilton die Studie an Colitis-Ulcerosa-Patienten vorzeitig, da mittels Interimsanalyse keine Wirkung der FMT festgestellt werden konnte. Als die teilnehmenden Patienten später noch einmal untersucht wurden, ließ sich jedoch ein signifikanter Unterschied zur Kontrollgruppe erkennen. Von den FMT-Patienten befanden sich 24 Prozent in Remission, von den Placebo-Patienten lediglich fünf Prozent. Über einen Zeitraum von sechs Wochen war einmal wöchentlich Fäzes oder Wasser per Einlauf appliziert worden. Die Heilungserfolge waren größer, je kürzer die Patienten an der Erkrankung litten. Auch eine zeitgleiche immunsuppressive Behandlung steigerte den Behandlungserfolg.

Die Studie aus Holland erzielte andere Resultate. Hier war der Stuhltransfer ebenfalls an Menschen mit leichter bis mittelschwerer Colitis Ulcerosa untersucht worden. Die Kontrollgruppe bekam allerdings Eigen-FMT. Außerdem erfolgte die Applikation lediglich zwei Mal im Abstand von drei Wochen über eine Magensonde. 30,4 Prozent der Erkrankten, die Fremd-FMT erhielten, waren nach zwölf Wochen in Remission, von der Kontrollgruppe waren es 20 Prozent. In beiden Studien ließ sich jedoch eine Veränderung des Darmmikrobioms in Richtung des Spenders erkennen, wenn der Patient auf die Behandlung angesprochen hatte.

Da sich Darreichungsform und Dosierung in beiden Studien unterscheiden, lässt sich kein abschließendes Fazit über den möglichen Erfolg von FMT bei Colitis Ulcerosa ziehen. „Auf der Basis der vorliegenden Daten gehört die FMT weiter in klinische Studien und nicht in die klinische Praxis“, hieß es im begleitenden Editorial des Journals. Es sind auch bereits weitere fünf dieser Studien angemeldet.

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