Wissenschaft

COPD: Nichtinvasive Beatmung kann Prognose verbessern

Einem von fünf schwer an chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) leidenden Patienten kann durch eine nichtinvasive (NIV) außerklinische Beatmung das Leben gerettet werden. Eine Untersuchung von knapp 200 COPD-Patienten, die zusätzlich unter einem erhöhten CO2-Wert im Blut (Hyperkapnie) litten, hat ergeben, dass eine Beatmung mit Frequenz und Druck in ausreichender Höhe die Ein-Jahres-Mortalität von 33 auf zwölf Prozent senken konnte. Die Compliance der Patienten bei der intensiven Therapie war im Vergleich zu Therapien mit geringerer Intensität sogar erhöht.

Die Wissenschaftler, die die deutsch-österreichische Studie durchführten, konzentrierten sich darauf, den Partialdruck des Kohlenstoffdioxidgehaltes im Blut (paCO2) der COPD-Patienten zu senken. Als Ziel setzten sie sich eine Verminderung um mindestens 20 Prozent bzw. auf 6,5 kPa. Beim gesunden Erwachsenen liegt der Wert zwischen 4,6 und 6,0 kPa. Um dies zu erreichen, wurde bei der Beatmung der Überdruck erhöht. In der vorliegenden Studie wurde im Mittel mit 21,6 cm H2O gearbeitet. Zudem war es wichtig, die Frequenz am Gerät der Atemfrequenz des zu behandelnden Patienten anzupassen. Gibt nicht das Gerät sondern der Patient den Atemimpuls, springt das Gerät daraufhin zwar automatisch an, es ist allerdings von Vorteil, wenn das Gerät den Impuls setzt – dies senkt die Atemarbeit des Erkrankten um 40 Prozent.

Chefarzt der Klinik Kloster Grafschaft in Schmallenberg, Privatdozent Dominic Dellweg, betonte auf dem Pneumologenkongress 2015, dass die Synchronität von Mensch und Beatmungsgerät die wichtigste Komponente bei der Reduktion des paCO2-Wertes sei. „Für eine geringe Atembelastung ist ein glattes Durchlaufen besser“, so der Mediziner. Die Erfahrungen des jeweils behandelnden Arztes spielen hierbei eine übergeordnete Rolle. Automatisierte Geräte würden im Vergleich keinen Mehrwert darstellen.

Eine Schlaflaborstudie sollte zusätzlich Aufschluss über bessere Möglichkeiten zur Synchronisierung geben. So sollte, wenn das Antriggern ineffektiv ist, zunächst der Inspirationsdruck unter Überwachung des paCO2-Wertes vermindert werden. Hilft dies nicht, kann zusätzlich der expiratorische Druck erhöht werden. Der häufigste Fehler bei den automatischen Geräten ist laut Dellweg allerdings ein Leck im System. Ferner empfiehlt er eine geringere Sensibilitätseinstellung des Inspirationstriggers oder, bei häufigen Doppeltriggern, eine Erhöhung der Inspirationszeit. In der Studie haben diese Maßnahmen die Synchronität von Mensch und Gerät immens erhöhen können.

 

 

 

 

 

 

 

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