Wissenschaft

MÄNNEP: Männliche pflegende Angehörige verfolgen andere Strategien

Männer, die die Pflege von Angehörigen übernehmen, wenden andere Strategien bei der Vereinbarung von Pflege und Beruf an als Frauen in derselben Situation. Ergeben hat dies das Forschungsprojekt „Männer zwischen Erwerbstätigkeit und Pflege“, kurz MÄNNEP. Mittels qualitativer Leitfadeninterviews wollten die Wissenschaftler der Hochschule Düsseldorf, der Fachhochschule Köln und der Justus-Liebig-Universität Gießen herausfinden, wie Männer sich organisieren und welchen Beitrag Unternehmen für ihre pflegenden Mitarbeiter leisten können.

Immer mehr Männer übernehmen den Hauptanteil bei der Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger. 2010 waren es bereits 28 Prozent, also doppelt so viele wie noch 1998. In Anbetracht der zunehmenden Bedeutung der häuslichen Pflege in Zeiten des demographischen Wandels sollte das Projekt Aufschluss darüber geben, welche Lösungsmuster pflegende Söhne bei der Koordination von Pflege und Beruf anwenden. Die Kooperationspartner führten dafür insgesamt 37 Interviews mit den Pflegenden und befragten außerdem je ein Mitglied der Mitarbeitervertretung sowie der Unternehmensleitung oder Personalabteilung des ausgewählten Unternehmens aus Nordrhein-Westfalen, Hessen oder Niedersachsen. Gefördert wurde das Projekt von der Hans-Böckler-Stiftung.

Der zugrunde gelegte Pflegebegriff war bei der Untersuchung weit gefasst. „Pflege bedeutet für uns Körperpflege, aber auch Begleitung zum Arzt oder zu Behörden, Einkäufe und ähnliches“, so Prof. Dr. Sigrid Leitner von der Fachhochschule Köln. Darauf beruhend waren mehr als die Hälfte Hauptpflegepersonen, „15 von ihnen leisten pro Woche mindestens 14 Stunden Pflege-, Versorgungs- und Betreuungsarbeit.“ Dennoch arbeiteten 30 der Befragten weiter in Vollzeit.

„Trotz dieser umfangreichen Pflegetätigkeit geben 26 von 37 Söhnen an, keine Vereinbarkeitsprobleme zu haben“, meinte Dr. Diana Auth von der Justus-Liebig-Universität. Die Pflege wird um den Beruf herumgeplant. Dabei spielt allerdings auch ein funktionierendes Netzwerk aus Pflegediensten oder weiteren Angehörigen oft eine wichtige Rolle. Für empfehlenswert hält Auth diese Strategie jedoch nicht. Die Teilnehmer gaben größtenteils an, unter den Belastungen zu leiden und zu wenig Freizeit zu haben.

Auch der Beitrag der jeweiligen Unternehmen wurde untersucht. „Obwohl wir bewusst in Unternehmen gegangen sind, die sich selbst als pflegesensibel bezeichnen, haben wir einen sehr unterschiedlichen Umfang der angebotenen Maßnahmen festgestellt und in vier Betrieben auch Hinweise auf Anwendungsprobleme“, meinte Leitner. Hilfreich sind Arbeitszeitflexibilisierungen, Informationen oder Schulungen zum Thema Pflege, aber auch die Benennung von Ansprechpartnern sowie Kooperationen mit externen Anlaufstellen.

 

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