Wissenschaft

Studie: Partner beeinflusst Selbstbild von Stoma-Trägern

Durch die Anlage eines künstlichen Darmausgangs oder einer künstlichen Harnableitung wird die Selbstwahrnehmung der Betroffenen erheblich beeinflusst. Dennoch gibt es bisher kaum verlässliche Daten über die psychosozialen Auswirkungen einer Stoma-Anlage. In einer kürzlich im Journal Ostomy Wound Management (OWM) veröffentlichten Studie wurde daher nun der Einfluss künstlicher Ableitungen auf das Selbstbild der Patienten sowie auf deren Partner untersucht.

Die Daten von 60 Patienten wurde für die von Dilek Aktas und Zehra Gocman Baykara, Hacettepe Universität, Türkei durchgeführten Studie erhoben. Darunter waren 25 männliche und 35 weibliche Teilnehmer, 25 davon mit einem Ileostoma, also einer Ableitung aus dem Dünndarm, 35 mit einem Colostoma, einer Ableitung aus dem Dickdarm und fünf mit einem Urostoma. Alle Patienten waren über 18 Jahre alt und verheiratet. Die Betroffenen und deren Partner wurden getrennt voneinander befragt. Als Messinstrument nutzten die Wissenschaftler die Body Cathexis Scale (BCS). Diese orientiert sich an der Zufriedenheit mit dem eigenen Körper, wobei ein niedriger Wert auf eine negative, eine hoher Wert auf eine positive Körperwahrnehmung schließen lässt.

Verschiedene, den BCS beeinflussende Faktoren, konnten in der Studie herausgestellt werden. So war die Körperwahrnehmung der Patienten deutlich positiver, wenn der Partner ihnen bei der Stoma-Pflege hilfreich zur Seite stand. Dies bestätigten auch die Ergebnisse anderer Studien, die besagen, dass eine familiäre Untersützung die psychosozialen Probleme der Betroffenen signifikant verringern kann. Unterstützung bekamen mehrheitlich die Patienten, die ihren Partner bereits vor der Operation in die vorbereitenden Gespräche und Entscheidungen einbezogen.

Patienten, die aufgrund einer Krebserkrankung eine Stoma-Anlage benötigten, waren deutlich weniger zufrieden mit ihrem eigenen Körper als die Patienten, die das System aufgrund anderer Erkrankungen bekamen. Als Grund nennen die Autoren, dass Krebserkrankungen sich allgemein sehr schädlich auf das Selbstbild auswirken. Litten die Patienten unter dem Gefühl keine Kontrolle mehr über den eigenen Körper zu haben, wirkte sich dies ebenfalls deutlich negativ aus. Hierzu gehören beispielsweise unkontrollierbare Gasabgänge oder andere unangenehme Gerüche. Patienten mit einem Ileostoma verfügten über ein signifikant negativeres Selbstbild als Patienten mit einem Colostoma oder einem Urostoma. Dies lässt sich zurückführen auf das allgemein aggressivere Dünndarmsekret.

Die Betroffenen sowie die jeweiligen Partner hatten eine ähnliche Wahrnehmung des durch das Stoma veränderten Körpers. Eine frühere Studie aus der Türkei hatte bereits ergeben, dass sich eine positive oder negative Selbstwahrnehmung ebenfalls positiv oder negativ auf die jeweilige Beziehung auswirkt. Eine positive Einstellung des Partners erzeugt einen signifikant positiven Effekt auf den Stoma-Träger. War ein Partner davon überzeugt, dass das Stoma einen negativen Einfluss auf die Beziehung hat, so war auch der BCS deutlich niedriger. Nicht außer Acht gelassen werden darf jedoch, dass die Beeinflussung wechselseitig stattfindet.

 

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