Wissenschaft

ZQP-Report: Gewaltprävention in der Pflege

Gewalt in der Pflege ist ein Thema über das die Betroffenen häufig nicht gerne sprechen. Die Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) hat nun in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) einen Themenreport zur Gewaltprävention in Pflegebeziehungen veröffentlicht. Zur Aufklärung, zur Hilfestellung, aber vor allem zur Enttabuisierung.

Gewalt in der Pflege hat viele Gesichter. Sie kann sowohl vom Pflegenden als auch vom Pflegebedürftigen ausgehen. Zur Gewalt zählen körperliche und verbale Misshandlung genau so wie Vernachlässigung oder das Ruhigstellen durch Medikamente. Verlässliche Zahlen über Gewaltsituationen in der Pflegebeziehung gibt es kaum – da es sich bei den Pflegebedürftigen häufig auch um demenziell Erkrankte handelt, sind oftmals keine Erhebungen unter den Patienten möglich. Auch ist der Begriff der Gewalt nicht einheitlich definiert. Ferner müssen die Pflegekräfte, sind sie selber Täter, zunächst ihre Scham über das eigene Verhalten überwinden.

Der Report trägt dennoch einige Zahlen zusammen: Bei einer Umfrage unter 81 Pflegenden aus acht Altenheimen aus dem Jahr 2006 beispielsweise gaben mehr als 70 Prozent an, sich schon einmal problematisch gegenüber einem Bewohner verhalten zu haben. 37 Prozent haben schon verbal oder körperlich misshandelt, 20 Prozent waren bereits körperlich gewalttätig. 2012 wurden 254 pflegende Angehörige interviewt, von denen nach eigenen Angaben bereits 48 Prozent psychische Misshandlungen angewendet hatten, 19 Prozent körperliche Gewalt. Eine Befragung Beschäftigter im Gesundheitswesen von 2009 ergab, dass 63 Prozent der stationär arbeitenden Pfegekräfte im letzten Jahr Gewalt erfahren hatten, im ambulanten Bereich waren es 40 Prozent.

Auch zum Thema Gewaltprävention gibt es bisher nur wenig aussagekräftige Studien. Das Thema ist zwar in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus gerückt und es wurden zahlreiche Projekte und Initiativen gestartet, doch gibt es bisher keine Rückschlüsse auf deren Wirksamkeit. „Es besteht ein grundsätzlicher Forschungsbedarf zu wirksamen Maßnahmen der Gewaltprävention sowohl im häuslichen Umfeld als auch in der stationären Langzeitpflege“, meint Prof. Dr. Gabriele Meyer, Direktorin des Instituts für Gesundheits- und Pflegewissenschaften an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

„Eine Voraussetzung, um Gewalt in der Pflege zu verhindern, besteht darin, das Thema zu enttabuisieren“, heißt es im ZQP-Report. Die Angst vor falschen Anschuldigungen und der Stigmatisierung unschuldiger Personen ist groß. Anzeichen wie blaue Flecke oder Hautabschürfungen können auch auf Krankheiten zurückzuführen sein und müssen nicht zwangsläufig auf Gewaltanwendungen hindeuten. Dennoch will der Report sensibilisieren für Risikofaktoren und Warnsignale, bei denen genauer hingeschaut werden sollte.Hierzu zählen beispielsweise ein zurückgezogenes Verhalten des Pflegebedürftigen oder Bissverletzungen. In akuten Risikosituationen sollte der Pflegende Hilfe suchen und sich der Situation möglichst nicht alleine aussetzen. Auch deeskalierende Verhaltensweisen, beispielsweise durch Ablenkung oder persönliche Ansprache können Abhilfe schaffen. Genau so wichtig ist es aber, im professionellen wie im familiären Bereich, die eigenen Belastungsgrenzen zu erkennen und sich nach diesen zu richten. Ebenso essentiell ist der offene Umgang mit Aggression und Gewalt in den jeweiligen Einrichtungen. Nur wenn Problemsituationen offen angesprochen werden können, lassen sich gemeinsam Lösungen zur Prävention finden.

Previous post

Optimiertes Entlassmanagement: Krankenhaus darf Hilfsmittel verordnen

Next post

Künstliche Bauchspeicheldrüse schützt vor Hypoglykämie

homecare nachrichten

homecare nachrichten

Herzlich willkommen bei "homecare nachrichten". Dieses kostenlose und freie Portal steht für Informationen rund um das Thema Homecare. In den drei Rubriken "Produkte", "Kostenträger" und "Wissenschaft" stellen wir Ihnen jeweils die aktuellsten Neuigkeiten vor. Um diesen Informationsservice dauerhaft zu genießen, empfehlen wir Ihnen unseren kostenlosen und jederzeit kündbaren Newsletter. So werden Sie monatlich auf den neuesten Stand im Bereich Homecare gebracht.