Wissenschaft

Wirksamkeit von Kompressionsstrümpfen zweifelhaft

Eine kürzlich veröffentlichte Cochrane-Analyse zu graduierten Kompressionsstrümpfen bescheinigt deren Wirksamkeit und spricht eine klare Nutzungsempfehlung aus. Dies wurde von Prof. Dr. Sebastian Schellong, Chefarzt der II. Medizinischen Klinik der städtischen Kliniken Dresden, auf dem Mannheimer Internistenkongress scharf kritisiert. Die meisten Daten seien uralt, meinte Schellong.

19 randomisierte Studien und 1.681 Patienten wurden in der Analyse der Cochrane Collaboration berücksichtigt, deren Ziel es ist, systematische Übersichten zu erstellen, die sich anhand von vorhandenem Material mit der Bewertung von medizinischen Therapien befassen. Antithrombosestrümpfe (ATS) senken laut der Berechnungen das Risiko für eine tiefe Beinvenenthrombose (TVT) auf ein Drittel. Schellong kritisierte, dass es sich bei den einbezogenen Studien fast ausschließlich um Ergebnisse aus den 1970er und 1980er Jahren handelte. Neuere Studien, wie beispielsweise die CLOTS-Studie, wurden nicht berücksichtigt.

Von dieser Studie berichtete schon 2009 die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG). Das Ergebnis:  ATS seien unwirksam. Die CLOTS-Studie („Clots in Legs or sTockings after Stroke“) untersuchte an 64 Zentren in Großbritannien, Italien und Australien 2.518 Schlaganfallpatienten, von denen die Hälfte mit Kompressionsstrümpfen versorgt wurde. „Allgemein war ein deutlicher Rückgang der Thrombosen erwartet worden“, meinte Prof. Dr. Martin Grond, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Siegen und außerordentliches Vorstandsmitglied der DSG. Allerdings gab es bei der Anzahl der auftretenden Thrombosen und Lungenembolien zwischen beiden Gruppen keine signifikanten Unterschiede.

Auch die Behandlung des postthrombotischen Syndroms (PTS) mit ATS wurde in einer kanadischen Studie untersucht, von der das Ärzteblatt 2014 berichtete. Dr. Susan Kahn und ihr Forscherteam untersuchten dafür mehr als 800 Patienten mit tiefen Beinvenenthrombosen. Eine Hälfte trug Strümpfe, die mit einem Druck von 30 bis 40 mmHg auf die Beine einwirkten, die andere Hälfte bekam Scheintrümpfe, die nur 5 mmHg Druck ausübten. Unterschiede bei den Ergebnissen der Behandlung gab es nicht.

Schellong berichtete auf dem Kongress von einer weiteren Meta-Analyse, die im British Journal of Surgery veröffentlicht wurde. Werden Kompressionsstrümpfe zusammen mit Medikamenten angewendet, kann das Risiko einer TVT um 49 Prozent gesenkt werden, heißt es hier.  Eine statistische Analyse lässt allerdings auf eine Publikationsbias, also eine Verzerrung der statistischen Daten schließen. „Auch das hilft also nicht weiter“, meinte Schellong.

Er empfiehlt daher eher eine intermittierende pneumatische Kompression (IPC) anzuwenden, bei der mittels Luftkissen eine gezielte Kompression von Lymph- und Blutgefäßen erreicht wird. Hier sei die Wirksamkeit besser nachgewiesen. In Orthopädie und Chirurgie könnten die Strümpfe bei hohem Thromboserisiko zusätzlich angelegt werden, meinte der Internist. Dies sei aber kein Muss.

 

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