Wissenschaft

Studie: Kaum Pflegefachkräfte aus dem Ausland

In mehr als 60 Prozent der Pflegeeinrichtungen sind durchschnittlich 4,3 Stellen nicht besetzt. Trotz dieses erheblichen Fachkräftemangels weiten die meisten Unternehmen ihre Suche nach Fachkräften nicht ins Ausland aus. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung liegt diese Maßnahme auf dem letzten Platz der bisher ergriffenen Strategien, um qualifiziertes Personal zu gewinnen. Dabei birgt die Rekrutierung aus dem Ausland allerdings auch bürokratische Hürden.

Knapp 600 Arbeitgeber wurden in die von der Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegebene Unternehmensbefragung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) einbezogen. Die Auswertungen zeigen, dass bisher nur 16 Prozent der befragten Betriebe Arbeitskräfte im Ausland suchen. Gängigere Strategien sind die Absenkung des Krankenstandes ( 83 Prozent) sowie Abwerbungen bei der Konkurrenz (20 Prozent).

Während 59 Prozent der Pflegeeinrichtungen in der Rekrutierung aus dem Ausland keine angestrebte Lösungsmöglichkeit sehen, stoßen die Arbeitgeber, die gezielt im Ausland suchen, auf weitere Schwierigkeiten. Bürokratische Hemmnisse gaben 83 Prozent der Befragten als Problem an, 67 Prozent hatten Probleme bei der Anerkennung der beruflichen Qualifikation. Schwierigkeiten eine Einwanderungserlaubnis zu bekommen hatten 60 Prozent der Betriebe. „An der Pflegebranche wird deutlich, wie weit Deutschland von einer gezielten am Arbeitsmarkt orientierten Einwanderungspolitik entfernt ist“, kommentiert Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, diese Ergebnisse.

Den Abbau rechtlicher Hürden wünschen sich daher 67 Prozent. 73 Prozent hätten gerne mehr Informationsmöglichkeiten über Bewerber aus dem Ausland und 87 Prozent meinen, dass es bessere Angebote an Sprach- und Integrationskursen geben sollte.

Auch die Größe des Unternehmens spielt bei der internationalen Rekrutierung von Arbeitskräften Ausland eine Rolle. Größere Betriebe stellen signifikant mehr Personal aus dem Ausland ein. Die ambulanten Einrichtungen nutzen diese Möglichkeiten am wenigsten. Nur jedes zehnte hat in den letzten drei Jahren international gesucht. Dabei sind die Unternehmen, die Fachkräfte aus dem Ausland einstellen, zu 60 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden.

„Angesichts der demographischen Entwicklung mit höherem Pflegebedarf und geringerem Angebot an Arbeitskräften ist die gezielte Gewinnung von Fachkräften aus dem Ausland unverzichtbar“, meint Dräger. Maßnahmen könnten effiziente Stellenbörsen, eine Vereinfachung der Zuwanderung und ein bundesweit einheitliches Verfahren bei der Berufsanerkennung sein. Dies dürfe jedoch nicht als Ersatz für die anstehenden Verbesserungen von Arbeitsbelastung, Bezahlung und Image angesehen werden.

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