Wissenschaft

IT-Studie – Nur ein Drittel der Pflegedienste nutzt mobile Anwendungen

Die gesteigerte Lebenserwartung wird langfristig dazu führen, dass der Bedarf an ambulanter Pflege steigt. Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass im Jahr 2030 rund drei Mio. Menschen pflegebedürftig sein werden, gleichzeitig werden in den nächsten zehn Jahren ca. 300.000 Pflegekräfte fehlen. Dadurch wird die zu erwartende Arbeitsbelastung der Pflegekräfte doppelt zunehmen, denn sie müssen sich nicht nur um immer mehr Pflegebedürftige kümmern, sondern die Komplexität des Pflegebedarfs wird gleichzeitig zunehmen. Dazu zählt nicht nur die Versorgung der Pflegebedürftigen, sondern auch ein nicht unerheblicher Anteil an Verwaltungsaufwand. Während es bereits zahlreiche “papierlose” Büros gibt, müssen sich Beschäftigte in der Pflege noch mit viel Bürokratie und Papierkram herumschlagen.

Digitale, mobile Lösungen wie ERP und Apps können in Verbindung mit mobilen Endgeräten speziell in der ambulanten Pflege Abhilfe schaffen. Sie können für die Pflege- und Einsatzplanung sowie die Leistungserfassung und Abrechnung genutzt werden. Dazu sind Stammdaten jederzeit und ortsunabhängig abrufbar, was besonders für den Außendienst interessant ist. Derartige Lösungen werden sowohl von etablierten ERP-Anbietern wie SaniVision und Connext angeboten als auch von Spezialisten wie Lohmann und Birkner Mobile Services. Beide Systeme haben Vor- und Nachteile. Bei der Nutzung von mobilen Lösungen von ERP-Anbietern sind die Kunden auf die Schnittstelle und den Leistungsumfang der App beschränkt. Anpassungen an die eigenen Bedürfnisse gestalten sich mitunter schwierig, da die Anbieter eine möglichst große Gruppe von Kunden abdecken müssen. Der Vorteil derartiger Lösungen ist, dass alle Anwendungen von einem Anwender stammen und damit reibungslos miteinander funktionieren. Mobile Spezialisten statten ihre mobilen Lösungen zumeist auch mit Schnittstellen zu allen etablierten ERP-Systemen aus, die eine Datenübertragung zwischen ERP und mobilen Endgeräten erlauben. Zudem ist es den Nutzern häufig möglich, eigene Schnittstellen zu regionalen Kooperationspartnern in den Anwendungen zu implementieren. Im Gegensatz zu den Anwendungen der ERP-Anbieter sind die spezialisierten mobilen Lösungen an die eigenen Bedürfnisse anpassbar. Allerdings kann es in Ausnahmefällen dazu kommen, dass ERP-Systeme nicht mit allen mobilen Lösungen kompatibel sind. In diesem Fall bedarf es eines Wechsels des ERP oder des mobilen Systems.

Laut der Studie “Marktwissen: Mobile IT-Anwendungen in der ambulanten Pflege und der Homecareversorgung” von Summary Seven Healthcare Consulting werden mobile Systeme zukünftig bei Homecareanbietern an Bedeutung gewinnen. So sind in den nächsten Jahren jährliche Wachstumsraten von bis zu 15 Prozent zu erwarten. Eine Umfrage unter ambulanten Pflegediensten und Homecare-Anbietern zeigte, dass bisher nur etwas mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Anbieter digitale Medien als Unterstützung bei der Patientenversorgung nutzen. Viele schreckt noch der Kostenaspekt für die Einführung derartiger Lösungen ab. Diejenigen Anbieter, die bereits mobile Dienste nutzen, bewerten sowohl die Zeitersparnis und gesteigerte Flexibilität als Pluspunkte. In Zukunft werden weitere Möglichkeiten mobiler Lösungen an Bedeutung gewinnen, wie beispielsweise direkt vom mobilen Endgerät weitere Partner kontaktieren und Waren- und Rezeptbestellungen beauftragen zu können. Auch Verknüpfungen zwischen den einzelnen Leistungserbringern sowie Cloudlösungen werden eine stärkere Rolle spielen.

Mobile Anwendungen sind im Zuge der Digitalisierungen immer mehr zu einem festen Bestandteil des Privatlebens und der Arbeitswelt geworden. Mit Tablet oder Smartphone lassen sich inzwischen Flugtickets buchen und bezahlen, von unterwegs auf dem Heimweg die Kaffeemaschine starten und Banküberweisungen tätigen. Letztendlich lässt sich mithilfe derartiger Funktionen viel Zeit und Aufwand einsparen. Die Pflege hinkt dieser Entwicklung noch hinterher, hier wird immer noch zum größten Teil auf manuelle Planung und Dokumentation gesetzt. Dabei könnte die Zeit, die für die Dokumentation aufgewendet wird, dazu genutzt werden, die Kernaufgabe der Pflege stärker zu berücksichtigen, nämlich den Kontakt zum Pflegebedürftigen. Es ist zu erwarten, dass die Digitalisierung auch langsam in der Pflege Einzug halten wird. Der Markt für mobile Anwendungen in diesem Bereich verspricht für Entwickler und Investoren daher noch attraktives Wachstum.

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